Simson S70: Comfort, Enduro, E/2 – Daten, Führerschein und Papiere heute

Von Tarik Ballouz, Area S51 · Stand: 18.10.2026

Schwarze Simson S51 als Neuaufbau von Area S51, von hinten auf einem gepflasterten Hof unter einem Baum
Unsere S51 gibt es auch mit 70-cm³-MZA-Motor – eine S70 bauen wir nicht.

Kurz gesagt: Die S70 ist die 70-cm³-Schwester der S51: 5,6 PS, vier Gänge und 75 km/h ab Werk (Betriebsanleitung S51/S70, S. 7). Simson baute sie ab 1983 als Comfort (C) und Enduro (E), später kam die E/2 dazu; ihr Rahmen hat Unterzugstreben. Rechtlich ist die S70 ein Leichtkraftrad. Du brauchst heute also mindestens Klasse A1, ein amtliches Kennzeichen und alle zwei Jahre die Hauptuntersuchung. Die DDR-Sonderregel, mit der du eine S51 mit Klasse AM fährst, gilt für sie nicht.

S70 oder S51? Der Check

Ob vor dir eine echte S70, ein Exportmodell oder eine umgebaute S51 steht, macht bei Führerschein und Papieren den Unterschied. Beantworte, was du weißt – „weiß nicht“ ist erlaubt. Solange eine offene Frage das Ergebnis ändern könnte, zeigt dir der Check alle Fälle, die noch passen.

1. Was steht auf dem Typschild?

Das Typschild sitzt am Rahmen. Der Typ steht auch in den Papieren.

2. Welcher Hubraum steht in den Papieren?

Es zählt, was eingetragen ist – nicht, was am Zylinder steht.

3. Hat der Rahmen Unterzugstreben unter dem Motor?

Zwei Rohre, die den Rahmen unter dem Motor verstärken.

4. Sind Motordeckel und Zylinder schwarz, mit einer „7“ neben der Motornummer?

Laut Wikipedia typisch für den S70-Motor ab Werk.

5. Welches Kennzeichen hat sie?

Das kleine Versicherungskennzeichen oder ein großes amtliches Kennzeichen.

Tipp oben deine Antworten an – das Ergebnis erscheint hier.

Die S70-Modelle: Comfort, Enduro und E/2

Die S70 baut auf der S51 auf. Wie bei der S51 gab es eine Straßenversion mit Comfort-Ausstattung und eine Enduro. Der Unterschied steckt im Motor M 741 mit 70 cm³, in der längeren Übersetzung und in zwei Unterzugstreben, die den Rahmen unter dem Motor verstärken.1

Typ Gebaut Unterschied Leermasse Reifen
S 70 C (Comfort) ab 1983 wie die S51 C, mit 70-cm³-Motor M 741 und Unterzug­streben 83,5 kg 2,75-16 R K 35
S 70 E (Enduro) ab 1983 wie die S51 E, mit Motor M 741 und Unterzug­streben k. A.2 k. A.2
S 70 E/2 ab 19853 wie die S 70 E, mit hochgelegtem Kunststoff-Kotflügel vorn und verstärkter Gabelführung 84,0 kg 2,75-16 R K 32
Super und Super E (Export) für die Bundesrepublik technisch wie C und E/2; im Westen als Super 80 und Super 80 Enduro verkauft 83,5 / 84,0 kg wie C / E/2

Leermasse und Reifen: Betriebsanleitung S51/S70, S. 7–8. Varianten und Bauzeit: Wikipedia und mopedfreunde-oldenburg.de (abgerufen am 18.10.2026). Laut beiden lief die Serie 1983 an; ab 1989 entfiel die S70 wegen zu geringer Nachfrage.4

Gebaut wurden rund 32.900 S70 – etwa 20.000 S 70 C und 12.900 S 70 E und E/2.5 Gemessen an der S51 ist das wenig. Laut Wikipedia war die S70 nach dem Sperber Simsons zweiter Versuch, ein kleines Motorrad oberhalb der Kleinkrafträder zu verkaufen – und wer die Fahrerlaubnis dafür hatte, kaufte lieber gleich eine MZ ETZ 150. Den Sperber und die anderen Vögel zeigt unser Ratgeber Simson Vogelserie, alle S51-Varianten die Seite Simson S51 Modelle.

Super 80: die S70 im Westen

Über den Stuttgarter Importeur Paul Lange kam die S70 als Super 80 und Super 80 Enduro in die Bundesrepublik. Laut moped-museum.de verkaufte er ab 1983 rund 1.000 Stück; Wikipedia übernimmt die Zahl. In der Betriebsanleitung heißen die Exportmodelle „Super“ und „Super E“. Laut moped-museum.de hatte der Super 80 ab 1983 eine westdeutsche Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE D 080) – es kann also originale westdeutsche Papiere geben. Für Käufer heute wichtig: Für Exportfahrzeuge stellt das KBA keinen Nachweis aus (KBA-FAQ).

Technische Daten aus der Originalanleitung

Die Betriebsanleitung beschreibt S51 und S70 gemeinsam – so lässt sich direkt vergleichen. Die Werte gelten für die DDR-Originalmotoren, nicht für neu gebaute Motoren wie den MZA-Motor.

Wert S70 (70 cm³) S51 (50 cm³)
Leistung 4,1 kW (5,6 PS) bei 6.000/min 2,72 kW (3,7 PS) bei 5.500/min
Drehmoment 6,7 Nm bei 5.500/min 5,0 Nm bei 4.800/min
Bohrung × Hub 45 × 44 mm 38 × 44 mm
Ver­dichtung 10,5 : 1 9,5 : 1
Zünd­zeitpunkt 1,4 mm vor OT 1,8 mm vor OT
Vergaser 16 N 3-56 16 N 3-4
Gänge 4 3 oder 4, je nach Variante
Höchst­geschwindigkeit 75 km/h 60 km/h
Verbrauch 2,5–2,8 l/100 km 2,4–2,6 l/100 km
Federweg hinten 90 mm 85 oder 90 mm
Tank 8,7 l, davon 0,8 l Reserve 8,7 l, davon 0,8 l Reserve

Betriebsanleitung S51/S70, S. 5–8. Bohrung und Hub nennen auch Wikipedia und mopedfreunde-oldenburg.de.

Für die 75 km/h änderte Simson mehr als den Zylinder: Die Primärübersetzung wurde auf 1 : 2,95 geändert, das Kettenritzel hat 16 statt 15 Zähne, und die Kupplung bekam eine verstärkte Tellerfeder.7 Alle Daten der S51 findest du unter Simson S51 technische Daten.

Führerschein, Kennzeichen, HU: Was gilt heute für die S70?

Mit mehr als 50 und höchstens 125 cm³ und nicht mehr als 11 kW ist die S70 ein Leichtkraftrad (§ 2 Nr. 10 FZV). Das ändert Führerschein, Kennzeichen und HU:

Frage S70 (Leichtkraftrad) S51 mit 50 cm³ (zum Vergleich)
Führerschein mindestens A1 (oder A2, A); B nur mit Schlüsselzahl 196 mindestens AM oder B
Mindestalter 16 Jahre (A1) 15 Jahre (AM)
Kennzeichen amtliches Kennzeichen Versicherungskennzeichen
Haupt­untersuchung alle 24 Monate keine
Helm Pflicht Pflicht
  • Klasse A1: gilt für Krafträder bis 125 cm³ und 11 kW (§ 6 Abs. 1 FeV), Mindestalter 16 (§ 10 FeV). A2 und A schließen A1 ein. B schließt AM und L ein, aber nicht A1 (§ 6 Abs. 3 FeV).
  • Mit dem Autoführerschein (B196): Klasse B mit der Schlüsselzahl 196 gilt für Krafträder wie die S70. Du musst mindestens 25 sein, B seit fünf Jahren haben und eine Fahrerschulung machen; die Berechtigung gilt nur in Deutschland (§ 6b FeV).
  • Alte Führerscheine: Wer die westdeutsche Klasse 3 vor dem 1. April 1980 erworben hat, darf auch A1 fahren (Anlage 3 FeV, Teil A, lfd. Nr. 17); bei späteren gilt A1 nur für dreirädrige Fahrzeuge. Auch viele DDR-Fahrerlaubnisse von vor dem 1. April 1980 schließen A1 ein, sogar die DDR-Klasse M (Anlage 3 FeV, Teil B, lfd. Nr. 21). Was dein Führerschein genau einschließt, sagt dir deine Fahrerlaubnisbehörde.
  • Kein 60-km/h-Moped: Mit Klasse AM fährst du eine DDR-S51, weil DDR-Kleinkrafträder bis 28.02.1992 als Kleinkrafträder gelten (§ 76 Nr. 8 b FeV; B schließt AM ein, § 6 Abs. 3 FeV). Die S70 war schon in der DDR ein Leichtkraftrad – für sie gilt diese Regel nicht. Mehr dazu im Ratgeber Simson mit 60 km/h legal fahren.
  • Kennzeichen und HU: Formal sind Leichtkrafträder zulassungsfrei (§ 3 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 c FZV). Trotzdem musst du zur Zulassungsbehörde: Sie teilt ihnen ein amtliches Kennzeichen zu (§ 4 Abs. 2 FZV). Damit sind sie hauptuntersuchungspflichtig (§ 29 Abs. 1 StVZO), für Krafträder alle 24 Monate (Anlage VIII Nr. 2.1.1 StVZO).
  • Helm: Pflicht auf Krafträdern mit mehr als 20 km/h (§ 21a Abs. 2 StVO).

Papiere: Gibt es einen KBA-Nachweis für die S70?

Originale DDR-Papiere gelten weiter (KBA-FAQ). Fehlen sie, stellt das Kraftfahrt-Bundesamt einen Nachweis der Betriebserlaubnis aus – auch für Leichtkrafträder von Simson. In seiner Typliste der Leichtkrafträder stehen S 70 C, S 70 E, S 70 E/2, S 70 E/S und S 70/1 E. Keinen Nachweis gibt es für:

  • Exportfahrzeuge – also auch nicht für Super und Super 80,
  • umgebaute Fahrzeuge, etwa eine S51 mit 70-cm³-Zylinder,
  • Fahrzeuge, die nach dem 28.02.1992 erstmals in den Verkehr kamen (KBA-FAQ).

Wie der Antrag läuft und was er braucht, steht in unserem Ratgeber Simson KBA-Papiere beantragen. Vorher lohnt der Blick auf die Rahmennummer: Unser Rahmennummer-Check zeigt, ob sie zu Baujahr und Modell passt.

S70 erkennen: Typschild, Unterzugstreben, schwarzer Motor

  • Typschild und Papiere: Dort steht der Typ, etwa „S 70 C“ oder „S 70 E/2“, und in den Papieren der Hubraum. Das entscheidet – alles andere kann getauscht sein.
  • Unterzugstreben: Zwei Rohre verstärken den Rahmen unter dem Motor. Die S51 C und E hatten sie ab Werk nicht.1
  • Schwarzer Motor mit „7“: Laut Wikipedia kamen Motorseitendeckel, Zylinder und Zylinderkopf der S70 schwarz aus dem Werk. Neben der Motornummer und am Ansaugstutzen ist eine 7 eingeschlagen.8

⚠ „S70“ mit 50 cm³ in den Papieren? Steckt in einer S51 ein 70er-Zylinder, ist sie rechtlich ein anderes Fahrzeug. Mit dem Umbau erlischt die Betriebserlaubnis, weil sich die Fahrzeugart ändert (§ 19 Abs. 2 StVZO). Eine neue gibt es nur mit einem Gutachten für das ganze Fahrzeug (§ 21 StVZO); danach steht der Umbau in den Papieren. Einen KBA-Nachweis gibt es für umgebaute Fahrzeuge nicht. Kauf so eine Simson nur, wenn der Umbau in den Papieren steht.

Wo du eine Simson privat, beim Händler oder als Neuaufbau findest, zeigt die Seite Simson kaufen.

S70-Gefühl mit Garantie: unsere S51 mit 70-cm³-Motor

Ehrlich gesagt: Eine S70 bauen wir nicht. Wer 75 km/h will, bekommt bei uns eine S51 mit 70-cm³-Motor:

  • 70-cm³-MZA-Motor als Option im S51-Konfigurator (auch im Schwalbe-Konfigurator) – bis 75 km/h, dafür brauchst du mindestens Klasse A1.
  • Bei der S51 gleiche Garantie wie beim 50er: 24 Monate Herstellergarantie auf den Motor, 12 Monate auf die übrigen Teile.
  • TÜV und Zulassung erledigen wir vor der Auslieferung – auch für die größere Klasse.
  • Kein Umbau-Risiko: Du kaufst keine S51, deren 70er-Zylinder nicht eingetragen ist.

Die Daten oben beschreiben den DDR-Motor M 741 von damals. Für den MZA-Motor in unseren Neuaufbauten gelten die Angaben im Konfigurator.

Stell dir deine S51 mit 70-cm³-Motor im 3D-Konfigurator zusammen.

70-cm³-Motor im Konfigurator wählen

Fragen zu S70, Führerschein oder Papieren? Schreib uns auf WhatsApp.

Häufige Fragen

Wie schnell fährt eine Simson S70?

75 km/h ab Werk, so steht es in der Betriebsanleitung S51/S70. Dafür sorgen der 70-cm³-Motor mit 5,6 PS und eine längere Übersetzung als bei der S51.

Wie viel PS hat die Simson S70?

5,6 PS, also 4,1 kW bei 6.000 Umdrehungen pro Minute, und 6,7 Nm Drehmoment bei 5.500/min (Betriebsanleitung S51/S70, S. 7). Die S51 mit 50 cm³ hat 3,7 PS.

Welchen Führerschein brauche ich für die S70?

Mindestens Klasse A1, die es ab 16 gibt. A2 und A schließen A1 ein. AM reicht nicht, und Klasse B auch nicht – außer du hast die Schlüsselzahl 196 oder einen alten Führerschein von vor dem 1. April 1980, der A1 einschließt (etwa die westdeutsche Klasse 3 oder viele DDR-Klassen bis hin zur Klasse M).

Darf ich die S70 mit dem Autoführerschein fahren?

Nur mit der Schlüsselzahl 196: Du musst mindestens 25 sein, Klasse B seit mindestens fünf Jahren haben und eine Fahrerschulung machen. Die Berechtigung gilt nur in Deutschland (§ 6b FeV). Wer die westdeutsche Klasse 3 oder viele DDR-Klassen vor dem 1. April 1980 erworben hat, darf laut Anlage 3 FeV auch A1 fahren.

Braucht die S70 ein Nummernschild und TÜV?

Ja. Als Leichtkraftrad ist sie formal zulassungsfrei, bekommt aber von der Zulassungsbehörde ein amtliches Kennzeichen (§ 4 Abs. 2 FZV). Damit muss sie alle 24 Monate zur Hauptuntersuchung (§ 29 StVZO, Anlage VIII). Ein Versicherungskennzeichen wie an der S51 reicht nicht.

Was ist der Unterschied zwischen S51 und S70?

Die S70 hat 70 statt 50 cm³ (45 statt 38 mm Bohrung), 5,6 statt 3,7 PS und fährt 75 statt 60 km/h. Ihr Rahmen hat Unterzugstreben. Rechtlich ist sie ein Leichtkraftrad: A1, amtliches Kennzeichen, Hauptuntersuchung.

Darf ich eine S51 auf 70 cm³ umbauen?

Nur mit Eintragung. Mit dem größeren Motor wird aus dem Kleinkraftrad ein Leichtkraftrad. Mit dem Umbau erlischt die Betriebserlaubnis (§ 19 Abs. 2 StVZO); eine neue gibt es nur mit Gutachten nach § 21 StVZO. Einen KBA-Nachweis stellt das KBA für umgebaute Fahrzeuge nicht aus.

Wie viele Simson S70 wurden gebaut?

Rund 32.900 Stück: etwa 20.000 S 70 C und 12.900 S 70 E und E/2 – so nennt es mopedfreunde-oldenburg.de, Wikipedia übernimmt die Zahl.

Gibt es die Simson S70 neu?

Neu ab Werk nicht – die Serie lief 1988/89 aus. Wir bauen auch keine S70. Unsere S51 gibt es aber mit 70-cm³-MZA-Motor: bis 75 km/h, mit 24 Monaten Herstellergarantie auf den Motor. TÜV und Zulassung erledigen wir vor der Auslieferung.

Quellen

1 Motor M 741 und Unterzugstreben: Wikipedia; die Unterzüge nennt auch moped-museum.de („Rohrrahmen mit Unterzügen“). Dass die S70 auf S51 C und E aufbaut, schreiben Wikipedia und mopedfreunde-oldenburg.de.

2 Die Betriebsanleitung führt nur C und E/2 sowie die Exportmodelle auf. Die S 70 E steht in der KBA-Typliste und bei Wikipedia.

3 Das Jahr 1985 nennt nur Wikipedia. Mopedfreunde-oldenburg.de nennt die E/2 ohne Jahr, „mit feststehendem Vorderradkotflügel“.

4 Mopedfreunde-oldenburg.de gibt als Baujahre je Modell 1984 bis 1988 an und schreibt, dass ab 1989 alle S70-Typen entfielen. Wikipedia nennt im Steckbrief 1983 bis 1988 und im Text 1989 als Ende der Serienfertigung. In der KBA-Typliste steht zusätzlich eine S 70/1 E.

5 Stückzahlen je Modell laut mopedfreunde-oldenburg.de; Wikipedia nennt 32.900 und beruft sich auf diese Seite.

6 Laut Betriebsanleitung S51/S70, S. 5. Wikipedia und moped-museum.de (für den Super 80) nennen dagegen den BVF 16 N 1-11.

7 Primärübersetzung 1 : 2,95: Wikipedia, mopedfreunde-oldenburg.de und moped-museum.de. Ritzel mit 16 Zähnen: Wikipedia, moped-museum.de (16 : 34). Tellerfeder: Wikipedia, mopedfreunde-oldenburg.de (1,6 mm).

8 Schwarze Teile und die eingeschlagene 7 nennt von unseren Quellen nur Wikipedia. Eine zweite verlässliche Quelle haben wir dafür nicht gefunden – verlass dich deshalb auf Typschild und Papiere.